Rommersberg
Auf einer kleinen Hochfläche zwischen den stark eingetieften Tälern des Horpebaches und der Leppe, ganz in der Nähe des im Aggertal gelegenen Engelskirchen, findet man Rommersberg. Die Gunst der dortigen Quellmulde haben fränkische Siedler schon früh erkannt. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1413. Im Kämmereiregister des Fronhofs Lindlar lautet der Name noch ,,Rumersberch". Alte Hohlwege am Ortsrand deuten genauso wie Reste von Landwehren darauf hin, dass in früheren Zeiten Handelswege zumindest nahe am Ort vorbeigeführt haben.
Größere Waldflächen an den umgebenden Talhängen umschließen das Dorf mit seinem vorgelagerten Grünland. Hier kann man einen herrlichen Höhenblick über das Leppe- und Aggertal hinweg auf den Heckberger Wald genießen. Ein gut ausgeschildertes Netz von Wanderwegen lädt dazu ein, das Dorf mit seinen Übergängen in die Landschaft und die angrenzenden Täler aus immer wieder neuen landschaftlichen Perspektiven zu erleben. Zählt man die Wohnbebauung der zuführenden Straßen hinzu, ergibt sich eine Einwohnerzahl von fast
570 Personen. Dabei ist aber zu berücksichtigen, das hiervon bereits ein Großteil auf die heranrückende Erschließung aus Richtung Engelskirchen entfällt. Alt-Rommersberg, von seinen Bewohnern auch liebevoll ,,Hof" genannt, umfasst hingegen etwa 120 Seelen. Eine gesunde Abgrenzung zu den Engelskirchnern ist ihnen wichtig. So steht man auf dem Standpunkt, dass ,, Rommersberg sowieso eine Lebensart" sei und ruft in geselliger Runde auch schon mal die ,,Freie Republik Rommersberg" aus. Rommersberg kennt keinen Durchgangsverkehr, denn die Straßen enden hier und weiter geht´s allenfalls über Wald- und Wiesenwege. Längst hat sich die Strucktur des Dorfes von der landwirtschaftlich-bäuerlichen Prägung zu einem Wohnstandort gewandelt. Die alten Gebäude im Ortskern sind dabei erhalten geblieben und umgenutzt worden. So vermitteln heute schmucke Fachwerkhäuser und alte Scheunen, die von engen Gässchen getrennt werden, einen gemütlichen, urigen Eindruck. Verschiedene Bruchsteinmäuerchen als Wege- und Böschungsbegrenzung sowie eine Reihe bunter Gärten und Vorgärten ergänzen dieses Bild.
In Rommersberg gibt es keine Betriebe oder öffentliche Einrichtungen. Dafür hat man aber eine Gaststätte, die auch Übernachtungsmöglichkeiten anbietet. Es liegt auf der Hand, dass hier in der Regel der Dorfmittelpunkt ist und die Geschicke des Ortes bei einem Kölsch besprochen werden. Als Klammer fungiert dabei der einzige Verein: die Hofgemeinschaft, der fast alle Alt-Rommersberger als Mitglied verbunden sind.
Die Hofgemeinschaft engagiert sich besonders in der Erhaltung und Weiterentwicklung des Ortsbildes. In den letzten Jahren wurden Baumpflanzungen durchgeführt, Nistmöglichkeiten für Vogel und Fledermäuse geschaffen, Ruhebänke aufgestellt und eine Rasthütte für Wanderer gabaut. Viel Aufmerksamkeit hat man zwei Wegkreuzen gewidmet, die aus den Jahren 1709 und 1876 stammen. Beide stehen selbstverständlich unter Denkmalschutz. Das ältere wurde unter fachkundiger Anleitung restauriert und damit für die Zukunft fit gemacht. Einen alten Dorfbrunnen befreite man von Schutt und Unrat, gestaltete seine Einfassung neu und stellte damit seine Funktion wieder her. An dieser Stelle wird heute auch der Dorfweihnachtsbaum aufgestellt und man trifft sich hier zur Nikolausfeier. Weitere Aktivitäten der Hofgemeinschaft sind unter anderem der jährliche Karnevalswagen für den Engelskirchner Rosenmontagszug und die Unterhaltung der Spiel- und Bolzplatzanlage am Ortsrand. Bei einer Beschreibung von Rommersberg darf eins nicht fehlen: die uralte Dorfeibe! Dem als Naturdenkmal ausgewiesenen Baum wird ein Alter von mindestens 300 Jahren zugestanden. Einige meinen, es könnten auch zwei Jahrhunderte mehr sein. Aber egal, wie alt die Eibe nun wirklich ist: Sie ist eine beeindruckende Schöpfung der Natur und als lebendes Denkmal eine Verpflichtung für den Erhalt ihrer Lebensgrundlagen. Diese Verpflichtung gilt aber auch für das gesamte Dorf, seine Menschen und das ,,Rommersberger Lebensgefühl".
Quelle: Gero Karthaus (2008): Ein starkes Stück Heimat - Oberbergische Dörfer


